Teachers

Auf dem ersten Daft-Punk-Album “Homework” von 1997 gibt es einen Song namens “Teachers“. Darin zählen die Franzosen all die musikalischen Pioniere auf, von denen sie gelernt haben. In der Liste fallen die Namen von Ikonen wie George Clinton, Dr. Dre, Jeff Mills, Kenny Dope oder Todd Edwards.

Ich liebe es, wenn Künstler*innen ihre Einflüsse offenlegen und ihren Idolen damit Respekt zollen. Auch mein erstes Buch “Zen Style“, das im Oktober erscheint, ist nicht vor einer kulturellen Tabula Rasa entstanden.

Zwei der wichtigsten Einflüsse für meine Reise in die östliche Philosophie waren Eckhart Tolle und Jack Kornfield. Sie sind westliche Lehrer, die den alten Stoff aus Indien, China und Japan für heutige Leser*innen aufbereitet haben. Somit waren sie für die spirituelle Literatur, was Daft Punk 1997 für die House-Musik waren.

Daft Punk waren Meister des Sampling, einer Kulturtechnik, die sie sich in afroamerikanischen Subkulturen abgeschaut hatten. Indem sie ihre “Teachers” offen benannten, gelang ihnen ein respektvoller Zeichentransfer, der über eine bloße kulturelle Aneignung hinausging.

Auch Jack Kornfield macht in seinen Büchern keinen Hehl daraus, wo seine Quellen und Inspirationen liegen. Und selbst wenn Eckhart Tolle seine Lehre primär als eigene präsentiert, liegt seine Leistung doch vor allem in der Kuration und Montage alter philosophischer Ideen und spiritueller Praktiken.

“Eine neue Erde” las ich vor mehr als zehn Jahren zum ersten Mal. Ein Bekannter aus der Musikindustrie hatte Zitate daraus auf Social Media geteilt und mich damit neugierig gemacht. “Das weise Herz” las ich etwas später, nach meinem ersten längeren Meditations-Retreat. Es war während eines Vortrages von meinem Vipassana-Lehrer empfohlen worden.

Daft Punk veröffentlichten ihre erste Maxi “Da Funk” bei Soma Quality, dem Label des legendären schottischen Produzentenduos Slam. Ich freue mich, dass mein erstes Buch im Oktober bei Arkana erscheint, dem Verlag, in dem auch die Bücher von Eckhart Tolle und Jack Kornfield erschienen sind.

All die Konzepte, über die ich in “Zen Style” schreibe – Zen-Buddhismus, Achtsamkeit, Stoizismus, Minimalismus –, sind nicht neu. Die ihnen zugrundeliegenden Ideen wurden vor langer Zeit entwickelt und in unterschiedlichen Traditionen immer wieder neu vermittelt. Ich sehe mich in einer Linie von Autor*innen, die ihre Aufgabe darin begreifen, dieses alte Wissen im Hier und Jetzt nutzbar zu machen.

Ich werde “Zen Style” in einem abschließenden Kapitel eine Liste von Lehrer*innen beifügen, die mich zu diesem Buch inspiriert haben. Eckhart Tolle und Jack Kornfield werden darin ganz sicher vorkommen.

Berlin, 3.5.2021