Slow Life

Das Wochenende entschieden langsam und analog verbracht. Lektüre, Musik, Meditation. Spaziergänge mit dem Hund. Siesta unter dem Holunder im Garten. Gespräche mit Nachbar*innen und Kindern im Innenhof. Endlich den Rick-Rubin-Podcast mit Brian Eno gehört. Hausarbeit. Stille.

Den Sonntagabend begleitet die Musik von William Basinski, die ich vor etwa zehn Jahren entdeckte und zu der ich seitdem immer wieder zurückkehre. Nicht unbedingt seine “Disintegration Loops” – sie gehören in die Liste der Musikstücke, die einfach zu berührend sind, um sie regelmäßig anzuhören –, sondern Stücke wie “Watermusic” oder “The River“. Die Vorstellung, dass Basinski diese Musik vor allem als Hintergrundmusik für sein mythisches Arcadia-Loft in Williamsburg produzierte, wo sie laut seiner Aussage 24 Stunden am Tag auf Schleife lief.

2019 sah ich Basinski zusammen mit Lawrence English im alten Hebbel-Theater; wir saßen im obersten Rang und schauten steil auf die beiden Musiker herab, während sie Material ihres gemeinsamen Albums “Selva Oscura” aufführten. Wir schlossen bald die Augen und nutzten das Konzert als Deep-Listening-Meditation. Als ich nach einer guten Stunde die Augen öffnete, fühlte ich mich wie nach einer langen Zazen-Sitzung; angenehm leer, frei von all den überflüssigen Wertungen und Gedanken, die den Geist sonst oft trüben.

Berlin, 25.7.2021