Shade

Im Oktober erscheint ein neues Grouper-Album. Es wird “Shade” heißen und die erste Single “Unclean mind” ist vor kurzem veröffentlicht worden. Im Moment ist hier in Berlin gerade noch Sommer, vielleicht habe ich mich deswegen damit noch nicht weiter beschäftigt. Stattdessen höre ich meine Sommermusik, nämlich Funk, R&B, House und Hip-Hop, aber ich weiß ganz sicher, dass ich im Oktober mehr als bereit sein werde für ein neues Grouper-Album.

Ihr letztes Album “Grid of Points”, das vor drei Jahren erschien, habe ich religiös gehört. Es ist ein sehr kurzes Album, das über weite Strecken nur aus Groupers Stimme und Klavierbegleitung besteht. Damals hatte sie für Resident Advisor auch einen Podcast-Mix abgeliefert, der estnische und bulgarische Chormusik mit Shoegaze aus den 1990er Jahren und musikalischen Weggefährt*innen wie Roy Montgomery, Julia Holter oder Jefre Cantu-Ledesma verbindet. Den Mix habe ich ebenso religiös gehört wie das Album.

Liz Harris, wie die introvertierte Künstlerin bürgerlich heißt, lebte zu jener Zeit zurückgezogen in Astoria, Oregon, direkt an der pazifischen Küste. Damals war sie 37, inzwischen müsste sie also 40 sein, und sie veröffentlicht seit mehr als 15 Jahren Platten, die sie komplett in Eigenregie schreibt, aufnimmt und produziert. Sie hat keinen Manager, und wenn sie mal auftritt, was sie äußerst ungern tut, dann sitzt sie meist alleine im Halbdunkel mit einer Gitarre auf dem Fußboden.

Anlässlich der Ankündigung ihres 12. Albums “Shade” ziert sie das neue The-Wire-Cover. Sie trägt eine Straßenarbeiterjacke, die ihr mal jemand in Australien geschenkt hat. Im Innenteil sitzt sie auf der Arbeitsplatte ihrer Küche. Ich zitiere sie auch in “Zen Style”, mit einer Aussage aus einem Interview, das sie dem Dummy Magazin gegeben hatte:

“I often picture releasing an album as trying to secretly sink a heavy object in a lake—find a quiet corner, gently slip it under the surface, watch the ripples for a moment, and steal away.”

Berlin, 11.8.2021