Reifenschaukel

Sonntag. Wühle mich durch Unmengen weiterer Vaporwave-Alben und Mallsoft-Mixes der letzten zehn Jahre, dazu läuft die “Dead Mall Series” auf Youtube, natürlich ohne Ton. Ich stelle mir vor, auf einem transatlantischen Nachtflug wach zu sein, während um mich herum alle schlafen, und auf den billigen Ohrhörern läuft die Solitaire-Hintergrundmusik, die sich mit dem weißen Rauschen im Flugzeug vermischt.

Im nächsten Moment befinde ich mich in einem Einkaufszentrum auf dem Mars, und während ich hindurchlaufe, sehe ich in der Entfernung ein paar gesichtslose, gut gekleidete Menschen, die in ihre Mobiltelefone schauen oder sich unterhalten, doch wenn ich ihnen näher komme, dann verschwinden sie in irgendeine Richtung.

Etwas später stehe ich nachts mitten in einem koreanischen Riesensupermarkt, in dem es einen Gang gibt, wo man Segelboote kaufen kann. Und dann befinde ich mich auf einmal in einem dieser mehrstöckigen Heimwerkermärkte in Japan, in denen C. stundenlang stöberte, während ich oben auf dem Dach im Café saß.

Mittags laufe ich zum Sportplatz, und nach getaner Arbeit liege ich in einer Reifenschaukel auf dem Spielplatz, schaue auf die Bäume direkt vor mir und die Hochhäuser am Horizont und höre russischen Jungle. Am Abend habe ich schlimme Rückenschmerzen und der Hund Durchfall.

Berlin, 19.9.2021