Penguin Café

Manchmal, so wie heute, arbeite ich abends etwas länger, weil ich zum Beispiel mit M. in Los Angeles telefonieren muss, doch irgendwann lockt mich die Musik aus dem Schlafzimmer, wo ich seit Beginn der Pandemie meinen Heimarbeitsplatz eingerichtet habe, zurück in den lebendigen Teil der Wohnung. Dort läuft nämlich “The Sound Of Someone You Love Who’s Going Away And It Doesn’t Matter” von Penguin Café Orchestra. Ich muss daran denken, wie wir Penguin Café vor einigen Jahren live im Funkhaus gesehen haben, bei einer Veranstaltung zum zehnjährigen Jubiläum von Roberts Erased-Tapes-Label. Meine Gedanken ziehen weiter zu der “Sound Gallery“, die Robert in London nahe des Victoria Parks eröffnet hat – einen Ort zum gemeinsamen, achtsamen Musikhören.

Für ein solches Setting ist “Music From The Penguin Café“, das 1976 über Brian Enos Obscure-Label erschienene Debüt des Penguin Café Orchestra, genau der richtige Soundtrack. Es gehört zu den merkwürdigsten Alben, die ich je gehört habe, und es passt definitiv in keine Genre-Schublade. Simon Jeffes, der Kopf des Orchesters, starb 1997 an einem Hirntumor, doch sein Sohn Arthur gründete zehn Jahre später die Band Penguin Café, um die Musik seines Vaters weiterhin live zu spielen, aber auch eigene, neue Songs zu schreiben. Mein Favorit aus ihrem jüngeren Katalog ist der Song “Wheels Within Wheels“, der mich an eine schöne, aber emotional auch herausfordernde Zeit in meinem Leben erinnert.

Berlin, 5.10.2021