Philosophia perennis

Lese die Autobiografie von Alan Watts. Neben Jack Kornfield und Eckhart Tolle einer der wichtigsten Einflüsse für mein Buch “Zen Style“. Seine Schriften über Zen und Taoismus prägten mich, doch Watts war kein Anhänger einer bestimmten Lehre. Vielmehr glaubte er an eine Art philosophia perennis, einen konvergierenden Kern aller Weltreligionen in ihrer ursprünglichen Form. Sein inklusiver philosophischer Ansatz bezog neben Buddhismus und Hinduismus auch Erkenntnisse der modernen Psychologie, der Naturwissenschaften und der Kunst mit ein.

Auch “Zen Style” steht in dieser Tradition, die sich ursprünglich auf Gottfried Wilhelm Leibniz, in der jüngeren Vergangenheit aber auch auf den Schriftsteller Aldous Huxley und eben Alan Watts bezieht. Jan war es, der mir vor einigen Jahren ein Buch des Zen-Gelehrten D.T. Suzuki schenkte, in dem er die Parallelen zwischen Zen und Meister Eckhart herausarbeitet: “Mysticism: Christian and Buddhist” öffnete mir die Augen für die Gemeinsamkeiten zweier vordergründig unvereinbarer Religionen. Huxleys “The Perennial Philosophy” erweiterte dieses Verständnis auf die hinduistische Vedanta, die islamischen Sufi-Mystiker oder die christliche Quäker-Bewegung.

In dem spirituellen Zentrum, in dem ich einmal im Jahr für ein längeres Retreat verschwinde, werden verschiedene Traditionen nebeneinander gelehrt und praktiziert – neben Zen auch Vipassana-Meditation, christliche Kontemplation oder verschiedene Formen von Yoga. All diese Traditionen haben in ihrer Essenz gewisse Gemeinsamkeiten, und Alan Watts gehörte zu denjenigen, die diese Gemeinsamkeiten herausgearbeitet haben anstatt die Unterschiede zu betonen.

Berlin, 13.8.2021