Mühelos

Im Garten zelebrieren wir das einfache Leben: Landkaffee aus Blechtassen, in der Erde wühlen, den Kompost umschichten, die Regentonne leeren, im Schatten des Holunders dösen, die Frösche im Teich beobachten, den ganzen Tag barfuß laufen.

Ich lese “Effortless” von Greg McKeown. Sein erstes Buch “Essentialism” hat mich vor sieben Jahren sehr inspiriert. Es ging darin um Minimalismus, doch sein Begriff des Essentialismus schien mir treffender. Mein Ziel war nie, so wenig wie möglich zu haben, sondern nur die wirklich essenziellen Dinge in mein Leben zu lassen. McKeown weitete den Minimalismus-Begriff aus – in “Essentialism” ging nicht mehr nur um Besitz, sondern auch um Projekte, Termine oder sogar Beziehungen.

In “Effortless” – zu Deutsch “Mühelos” – schreibt er nun über den sogenannten Flow State und wie man ihn erreicht. Das ist ein Begriff aus der Positiven Psychologie und damit meinen wir jene Momente, in denen uns eine Tätigkeit leicht fällt, weil wir an nichts denken außer an die Tätigkeit selbst und deshalb vollkommen in ihr aufgehen. Die Art der Tätigkeit spielt dabei keine Rolle: Arbeit, Sport, Meditation, Schreiben, Putzen. Es ist vollkommen egal.

Ich gerate im Garten manchmal in den Flow State, etwa wenn ich mich um meinen Lieblingsbereich, unsere Komposthaufen, kümmere. Oft genug jedoch auch, wenn ich einfach gar nichts tue – wenn ich nur den Geräuschen lausche und die Farben und Formen bestaune. Ich bin dann ganz im Hier und Jetzt, keine Gedanken lenken mich von der Gegenwart ab.

Berlin, 11.7.2021