Fashion Week

Mittagessen mit E. im Soho House. Es ist Fashion Week in Berlin, und das spürt man. Das Clubrestaurant ist mit Menschen gefüllt, die den schlimmsten Klischees über die Modeindustrie entsprechen. Ich habe ohnehin eine ambivalente Haltung zu diesem Haus. Früher habe ich mich dort oft mit einem meiner Mentoren aus der Musikindustrie getroffen, einem weltmännischen Österreicher, der aus Prinzip immer dort abstieg, wenn er in der Stadt war. Natürlich ist es furchtbar, aber es ist eben auch ein Abbild der Welt, in der ich lebe und arbeite. Und es ist irgendwie auch redundant, sich darüber auszulassen.

E. und ich sprechen zwei Stunden über seelische Gesundheit, intergenerationale Traumata und transgenerative Prozesse. Er ist gerade erst von einer längeren Reise nach Zentralafrika zurückgekehrt und berichtet von intensiven Begegnungen mit Menschen und Tieren. Er bestellt ein Ribeye-Steak (medium well), ich einen veganen Burger. Der Kellner macht ihm Komplimente über sein Outfit. Wie gesagt, es ist Fashion Week.

Mein eigenes Outfit ist kein Anlass für Komplimente. Ich trage, wie so oft, meine Stadtuniform: Weiße Sneaker, schwarze Hose, schwarzes T-Shirt, schwarze North-Face-Regenjacke. Ich habe schon lange aufgehört, mich ernsthaft für Mode zu interessieren. Kleidung muss für mich vor allem bequem sein, funktional und leicht, schlicht und einfarbig. Andere dürfen das bieder und langweilig finden, mich erfüllt mein Kleiderschrank jeden Morgen mit großer Freude, weil sich nur Lieblingsteile darin befinden. Die Fashion Week ist mir herzlich egal.

Berlin, 16.9.2021