Early Riser

Der Musiker und Produzent Taylor McFerrin, ein Sohn des Jazz-Sängers Bobby McFerrin, veröffentlichte 2014 sein Debütalbum “Early Riser“. Es gehört zu den wenigen Alben, die ich ganz sicher mit auf die sprichwörtliche einsame Insel nehmen würde. McFerrin soll fast sechs Jahre daran gearbeitet haben; sieben Jahre nach seinem Erscheinen klingt es noch so magisch wie am Erscheinungstag.

Seit einigen Jahren bin auch ich ein Early Riser. Ich liebe das Gefühl, am Morgen viel Zeit für meine positiven Routinen zu haben: Mein Landkaffee, eine kurze Sitzmeditation, eine Lauf- und Trainingsrunde, eine Leseeinheit, in Ruhe Musik hören. Früher hatte ich maximal Zeit für eine schnelle Dusche, bevor ich das Haus verließ – eine halbe Stunde nach dem Aufstehen stand ich mit Kaffeebecher und Le-Crobag-Tüte in einer überfüllten S-Bahn. Heute starte ich weniger hektisch in den Tag.

Momentan stehe ich noch früher auf als sonst – nicht ganz freiwillig, denn unsere Hündin weckt uns meist pünktlich zum Sonnenaufgang, heute also um 4.51 Uhr. Sie ist dann der Meinung, dass sie genug geschlafen hat, jedenfalls bis sie sich am Vormittag für ein Nickerchen unter meinen Schreibtisch legt. Vorher gehen wir in ein nahegelegenes Waldstück, wo uns die Vögel begrüßen und langsam die ersten Sonnenstrahlen durch die Baumwipfel dringen. Das zweite Stück auf “Early Riser” mit dem Titel “Degrees Of Light” fängt diese Stimmung sehr exakt ein.

Früh aufzustehen hat meinen Alltag verändert. Ich verstehe inzwischen, warum Zen-Mönche im Morgengrauen die ersten Meditationseinheiten beginnen. Der frühe Morgen ist eine heilige Zeit, die uns ganz allein gehört. Wir sollten sie mit Tätigkeiten verbringen, die uns bereichern. So fängt der Tag unter positiven Vorzeichen an. Die Wirkung ist nicht zu unterschätzen. Wir zehren lange davon.

Berlin, 13.7.2021