Die Maschine

Der britische Schriftsteller und ehemalige Umweltaktivist Paul Kingsnorth schreibt seit einigen Monaten einen Newsletter mit dem Namen “The Abbey of Misrule“. Darin beschreibt er eine negative Kraft, ein gesellschaftliches System, das er “The Machine” nennt und das ich der Einfachheit halber hier mit dem Begriff des “Technokapitalismus” übersetze.

In den nuller Jahren kämpfte Kingsnorth an der Umweltfront, schrieb kapitalismuskritische Bücher und bemühte sich um Veränderung und Widerstand. Aus Enttäuschung und Verzweiflung über den mangelnden Erfolg dieser Bemühungen zog er sich irgendwann aus dem Aktivismus zurück; inzwischen lebt er mit seiner Familie auf einem kleinen Bauernhof in Westirland, schreibt Romane und bezeichnet sich selbst als “digital refusenik“. Sein apokalyptisches Manifest “Dark Ecology” berührte mich vor einigen Jahren sehr; darin erklärte er auch die Gründe für seinen Rückzug. Ich fand mich darin wieder.

Nun hat Kingsnorth inzwischen eine interessante Wandlung durchgemacht, ist in der Pandemie vom Zen-Buddhisten zum glühenden Christen geworden und wehrt sich in seinen Newslettern teilweise etwas zu glühend gegen notwendige gesellschaftliche Entwicklungen, die er als identitätspolitische Spaltung wahrnimmt. Um es anders zu sagen: Ich bin mit Kingsnorth längst nicht (mehr) in allen Dingen einer Meinung. Doch seine Texte enthalten stets den einen oder anderen starken Gedanken, die eine oder andere starke Formulierung. Sein autobiografisches Buch “Savage Gods” kann ich immer noch wärmstens empfehlen.

In seinem aktuellen Newsletter, den er heute morgen verschickte, zitiert er unter anderem Aldous Huxley, der auch in meinem Buch “Zen Style” eine entscheidende Rolle spielt, mit folgendem Bonmot:

“No man can concentrate his attention upon evil, or even upon the idea of evil, and remain unaffected. To be more against the devil than for God is exceedingly dangerous. Every crusader is apt to go mad.”

Weise Worte seien dies, so Kingsnorth, vielleicht werde er sie sich an die Wand heften.

Berlin, 20.10.2021