Das Ende der Welt

Am Freitag treffe ich W. in einem Café mit eigener Rösterei in Prenzlauer Berg. W. lebt in London und arbeitet für eine große Plattenfirma, wir kennen uns seit Jahren, haben uns immer wieder getroffen, in Berlin, München oder Brüssel, und ich mag ihn sehr. Er bringt mir kleine Geschenke mit, unter anderem eine Testpressung eines neuen Albums, aber vor allem tut es gut, ihn zu sehen. Anschließend kommt J. in dasselbe Café; ein Arbeitskollege, ebenfalls aus London, der zur Zeit in Berlin Urlaub macht. Ich trinke mit jedem einen großen Becher Filterkaffee, zunächst eine Röstung aus Kenia, später eine aus El Salvador. Dann habe ich Herzrasen und fahre mit dem Rad nach Hause.

Am Samstag bin ich abends mit M. zum ausführlichen Interview für meinen Newsletter verabredet; wir treffen uns in der Wohnung eines Freundes in Mitte. Den Rest des Wochenendes verbringe ich mit der Lektüre von James Rember, “100 Little Pieces on the End of the World”. Rember, ein emeritierter Literaturprofessor, lebt mit seiner Frau Julie ein zurückgezogenes Leben in einer Blockhütte in Idaho. In seinem Buch schreibt er klug und humorvoll über den bevorstehenden Kollaps, der das Ende unserer westlichen Industriegesellschaft einläuten wird:

“People who say that our world isn’t a fatally flawed human artifact, who say civilization will always find plenty of energy, who say capitalism will continue to expand in a world of finite resources, are suffering from the techno-industrial equivalent of Stockholm syndrome. Either that, or they’re all morons.”

“Empathy and asceticism are our only human weapons in a world where industrial civilization moves along, crushing mountains under its feet, melting the planet down and rendering everything it touches into product.”

“Awareness and memory and honest attention to the world: they’re everything that makes life worth living.”

Berlin, 14.11.2021