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Eines der 12 Prinzipien des “Manifesto for Agile Software Development” lautet:

“Simplicity – the art of maximizing the amount of work not done – is essential.”

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Adam Smith begriff Arbeit als eine Tätigkeit, für die der Arbeitende einen Lohn erhält – Zug um Zug gegen sein Opfer von “Ruhe, Freiheit und Glück”.

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Epikur sagte einmal, dass der Weise drei Dinge in seinem Leben erreichen wird: Er wird schriftliche Arbeiten hinterlassen. Er wird finanziell umsichtig handeln und somit für die Zukunft vorsorgen. Und er wird Zeit finden, um das Landleben zu genießen und wertzuschätzen.

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Für Zeitgenossen, die nicht regelmäßig lesen, konnte Leo Tolstoi kein Verständnis aufbringen. “Ich verstehe nicht”, soll er gesagt haben, “wie manche Menschen leben können, ohne mit den weisesten Menschen, die jemals auf der Erde gelebt haben, zu kommunizieren.”

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“Alle Probleme der Menschheit resultieren aus der Unfähigkeit des Menschen, allein und still in einem Raum zu sitzen.” (Blaise Pascal, 1654)

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“possessions are the sun’s toys that one ought not to engage with much, for night shall soon come and they shall be taken away” (Narendra)

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D.T. Suzuki sollte 1936 bei einem Glaubenskongress in London eine Rede zum Thema “Das höchste spirituelle Ideal” halten. Der japanische Gelehrte sprach ganz am Schluss, nachdem schon viele Redner auf der Bühne gestanden hatten. Er sei nur ein einfacher Landbewohner, begann er, und wisse daher weder, was ‘spirituell’ sei, noch was ‘ideal’ sei, oder gar was ‘das höchste spirituelle Ideal’ sei. Den Rest seiner Redezeit verbrachte er damit, sein Haus und seinen Garten in Japan zu beschreiben.

Als er fertig war, erhob sich das Publikum zu Standing Ovations.

Dazwischen saß der junge Alan Watts.

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“Für uns, im Geist der 1950er Jahre, waren der frühe Buddhismus, Laozi, Gandhi, Thoreau, Kropotkin und Zen ein und dieselbe Lehre.” (Gary Snyder)

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“Was die Bäume um dich herum ausatmen, atmest du jetzt gerade ein; was du ausatmest, atmen die Bäume jetzt gerade ein. Dieser Vorgang ist permanent. Ob es dir bewusst ist oder nicht – eine Hälfte deiner Lunge hängt jetzt gerade da oben in einem Baum.” (Sadhguru)

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Mark Aurel, “Meditationen: Selbstbetrachtungen” (170-180 n. Chr.):

“Man liebt es, sich zu Zeiten aufs Land, ins Gebirge, an die See zurückzuziehn. Auch Du sehnst Dich vielleicht dahin. Im Grunde genommen aber steckt dahinter eine große Beschränktheit. Es steht Dir ja frei, zu jeglicher Stunde Dich in Dich selbst zurückzuziehn, und nirgends finden wir eine so friedliche und ungestörte Zuflucht als in der eignen Seele, sobald wir nur etwas von dem in uns tragen, was wir nur anzuschauen brauchen, um uns in eine vollkommen ruhige und glückliche Stimmung versetzt zu sehn – eine Stimmung, die nach meiner Ansicht freilich ein anständiges, sittliches Wesen bedingt. Auf diese Weise also ziehe Dich beständig zurück, um Dich immer wieder aufzufrischen.”

“Oder macht Dir der Ehrgeiz zu schaffen? Aber wie schnell breitet Vergessenheit über alles ihren Schleier! Wie unablässig drängt eins das andere in dieser Welt ohne Anfang und ohne Ende! Wie nichtig ist jeder Nachklang unseres Tuns! Wie veränderlich und wie urteilslos jede Meinung, die sich über uns bildet, und wie eng der Kreis, in dem sie sich bildet! Die ganz Erde ist ja nur ein Punkt im All, und wie klein nun wieder der Winkel auf ihr, wo von uns die Rede sein kann! Wie viele können es sein, und was für welche, die unsern Ruhm verkünden? In der Tat also gilt es sich zurückzuziehen auf eben diesen kleinen Raum, der unser ist, und hier sich weder zerstreuen, noch einspannen zu lassen, sondern sich frei zu bewegen und die Dinge anzusehen wie ein Mensch, wie ein Glied der Gesellschaft, wie ein sterbliches Wesen.”

Berlin, 9.8.2021