Auszeit

Der Bungalow hat 36 Quadratmeter. Es gibt eine kleine Küchenzeile mit Spüle, zwei Kochplatten, einem Kühlschrank und einem Mini-Backofen. Das Bad hat eine Duschkabine. Im Schlafzimmer steht ein Doppelbett, im Eingangsbereich gibt es einen Kleiderschrank. Wir essen fast jede Mahlzeit auf der Terrasse.

Der Bungalow steht auf einer Anhöhe. Unten liegt, von Mischwald umgeben, der See. Auf dem Rundweg, der an dieser Stelle direkt am See entlangführt, gibt es viele kleine Zugänge, die sich zum Baden eignen.

Jetzt, wo die Sommerferien langsam dem Ende zugehen, ist es schon recht einsam. WLAN und Handyempfang sind schwach, der Fernseher empfängt keinerlei Programme. Mich stört es nicht. Ich lese ein Buch von dem indischen Yogi-Mystiker Sadhguru.

Von Yoga verstehe ich wenig bis nichts, doch was Sadhguru schreibt, leuchtet mir auch als Zen-Schüler ein. Er spricht viel über das Nicht-Anhaften, die Loslösung von der Identifikation und der Vorstellung von einer wie auch immer geformten, festen Identität. Immer wieder kehre ich zu denselben Themen zurück. Beim ursprünglichen Yoga geht es nicht um Fitness oder Beweglichkeit, sondern um spirituelles Wachstum.

Ich habe nicht viel dabei – ein paar T-Shirts, eine Badehose, einen Pullover für die kühlen Abende. Ich gehe barfuß oder trage Sandalen. Nach drei Tagen ist fast all meine Kleidung dreckig, aber es spielt keine Rolle. Wir gehen mit der Dämmerung ins Bett und stehen mit dem Sonnenaufgang auf. Wir haben alles, was wir brauchen.

Naturpark Barnim, 4.8.2021