Auf der Couch im Phonica

Die letzten heißen Tage im August. Viel auf dem Fahrrad und dem Cruiser-Skateboard unterwegs, heute mit C. im Garten und später mit M. im Strandbad am See. Ich höre neapolitanischen Funk, Afropop aus Gambia, House aus Südkorea. Auch diese Liebe zu britischer Clubmusik und amerikanischem Underground-Rap wird vermutlich nie verschwinden.

Vor einigen Jahren war ich spontan mit D. für ein Wochenende in London; am Abreisetag waren wir nach dem Auschecken zunächst auf dem Brick Lane Market und im Rough Trade, dann sahen wir eine Ausstellung einer kalifornischen Künstlerin in einer Galerie in Shoreditch. Schließlich liefen wir bei gutem Wetter quer durch die Stadt bis nach Soho, um vor der Abfahrt zum Flughafen noch in unseren Lieblingsplattenläden zu stöbern.

Im Phonica saß ich auf der Couch, während D. die Fächer mit den Neuheiten durchsuchte. Mir knallten die obszön lauten House-Beats um die Ohren, und irgendwie wurde mir dort, in genau dieser Sekunde, tatsächlich klar, dass ich in genau dieser Sekunde nirgendwo anders auf der Welt sein wollte als im Phonica auf der Couch, wo mir die obszön lauten House-Beats um die Ohren knallten. Später sagte ich gern, im Phonica auf der Couch hätte ich endlich alles verstanden. Oberflächlich betrachtet ein völlig unscheinbarer Moment, erinnere ich mich noch viele Jahre später genau an die unaussprechliche Erkenntnis und das Gefühl, das sie in mir auslöste. Keine Euphorie, sondern eine sich warm ausbreitende Gewissheit. Ich war einverstanden.

Berlin, 14.8.2021